»Orgelpfeifen mit Ton ..
Nicht gleich eine Kombination für ein Werk bei dem man an Gerd Reutter denkt.
Um 2002 bekommt der Künstler von einer guten Bekannten, Magdalena Stasius, 4 Orgelpfeifen geschenkt, die aus der Heilig Geist Kirche in Mannheim stammen. Mit der Aufforderung: „ .. mach´ was draus ..“.
Die Herausforderung mit einem in der Funktion vorgegebenen Stück zu arbeiten und in die Kunst einzubinden, ist für ihn neu. Ein weiterer Anreiz ist die Einladung zu einer Einzelausstellung seiner Arbeiten im Jahr 2005 in der St. Peter Kirche, Mannheim.
Zu dieser Zeit geriet die Katholische Kirche immer wieder in negative Schlagzeilen. Die Anschuldigungen des Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen häuften sich. Es muss sich in der Kirche etwas ändern. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema war der Auslöser zur Verwendung der Orgelpfeifen.
Gerd Reutter befasst sich immer mit dem Thema Mensch, ohne das menschliche Figuren in seinen Arbeiten erscheinen. Er interessiert sich für die Entstehung der Welt wie auch für die Geschehnisse in der Welt. Gefährdungen, Ereignisse oder Missstände werden in seiner Kunst aufgegriffen und regen den Betrachter:innen zum Nachdenken an.
Bei dem Werk „Neugestaltung“ ist der Unterbau aus grob schamottiertem Ton in Einzelteilen geformt und aufgebaut. Die Orgelpfeifen sind vor dem 1. Brand in die Formen eingelassen, in den Öffnungen angepasst und danach wieder entfernt worden. Nun können die Teile gebrannt werden.
Danach werden sie in die vorgesehenen Öffnungen eingefügt und zu einer Einheit, einer Zusammengehörigkeit verbunden.
Aus flachen Platten und runden Elementen entsteht eine Architektur. Eine Treppe führt hinauf zu den Formen, die wie eine Kirche erscheinen. Zwei weitere kürzere Treppen schließen sich im rechten Winkel links und rechts an. In die turmartigen Architekturteile sind die Orgelpfeifen eingesetzt und finden in dem Gefüge Halt. Es drückt eine Standfestigkeit aus. Während die Treppen und der vordere Turm zugänglich sind, werden die hinteren drei durch eine im Halbkreis aufgestellte Tonplatte wie durch eine Schutzmauer abgeschirmt und gesichert.
Etwas ist dabei irritierend: Die Orgelpfeifen wurden auf dem Kopf also verkehrt herum eingesetzt. Gerd Reutter zieht dadurch die Betrachter:innen in den Bann der Arbeit und zeigt auf, dass sich etwas in der Kirche ändern muss, um den Halt und Glauben daran zu erhalten.«
Dr. Christine Schumann / Kunsthistorikerin